Ein möglicher SpaceX-Börsengang nährt bereits Spekulationen über den Beginn einer neuen Ära der Weltraumaktien, während ein IPO von OpenAI den anhaltenden KI-Hype weiter anfachen und frische Liquidität in die Märkte bringen könnte. Welche fünf Börsengänge derzeit als besonders spannend gelten, beleuchten wir in diesem Artikel.
SpaceX
Ein möglicher Börsengang von SpaceX gilt für 2026 als eines der spektakulärsten Szenarien am Kapitalmarkt. Insider und Medienberichte sehen ein IPO-Fenster zwischen Mitte und Ende 2026, auch wenn ein offizieller Termin weiterhin fehlt. Im Raum steht eine Bewertung von bis zu 1,5 Billionen US-Dollar, was SpaceX auf Anhieb zum größten Börsengang der Geschichte machen würde.
Besonders spannend ist weniger der reine Kapitalbedarf als die Signalwirkung. Diskutiert wird, dass SpaceX frisches Kapital nicht nur über einen klassischen IPO, sondern zusätzlich über eine teilweise Abspaltung von Starlink einsammeln könnte. Damit würde erstmals ein klarer, börsennotierter Bewertungsmaßstab für die kommerzielle Raumfahrt entstehen.
Die Vorfreude auf einen SpaceX-IPO zeigt sich schon jetzt in deutlichen Kursbewegungen bei börsennotierten Raumfahrtunternehmen. Aktien aus dem Umfeld der Branche verzeichneten zuletzt spürbare Zugewinne. So legten unter anderem Rocket Lab zeitweise um rund 72 % zu, während AST SpaceMobile 38% zulegen konnte. SpaceX selbst ist zwar noch nicht handelbar, beeinflusst den Sektor jedoch schon heute wie kaum ein anderes nicht börsennotiertes Unternehmen.
OpenAI
OpenAI zählt zu den prägendsten Unternehmen des aktuellen KI-Zyklus. Das 2015 gegründete Unternehmen mit Sitz in San Francisco wurde vor allem durch ChatGPT weltweit bekannt und steht sinnbildlich für den anhaltenden AI-Hype an den Kapitalmärkten. Finanziell stützt sich OpenAI bislang stark auf seinen strategischen Partner Microsoft, der eine zentrale Rolle bei Infrastruktur, Kapital und Distribution spielt.
Ein Börsengang wird frühestens für 2026, möglicherweise auch erst für 2027 erwartet. Reuters zufolge prüft OpenAI intern, ab der zweiten Jahreshälfte 2026 regulatorische Schritte einzuleiten, betont jedoch gleichzeitig, dass ein IPO aktuell keine Priorität habe. Stattdessen liege der Fokus auf dem Aufbau eines langfristig tragfähigen Geschäftsmodells. Parallel kursieren Spekulationen über eine mögliche Vor-IPO-Finanzierungsrunde, in der OpenAI bis zu 100 Milliarden US-Dollar einsammeln könnte, um das enorme Wachstum zu finanzieren.
Sollte es tatsächlich zu einem Börsengang kommen, wäre OpenAI einer der dominierenden IPOs des Jahrzehnts. Anleger erwarten nicht nur direkte Effekte auf den Tech- und KI-Sektor, sondern auch spürbare Nebenwirkungen für etablierte Profiteure des KI-Booms wie Microsoft, Nvidia oder Alphabet. Gleichzeitig gilt OpenAI als Gradmesser für die Bewertung des gesamten KI-Sektors. Enttäuschungen beim IPO könnten ebenso schnell zu Korrekturen führen, wie sie frühere Technologiezyklen bereits erlebt haben.
Anthropic
Anthropic gilt als der vielleicht spannendste, aber zugleich am schwersten einzuordnende IPO-Kandidat im KI-Sektor. Marktgerüchte aus dem Umfeld institutioneller Investoren sehen ein mögliches Börsenfenster im Laufe des Jahres 2026, eine offizielle Bestätigung gibt es bislang jedoch nicht. Was die Spekulationen antreibt, sind vor allem die extrem hohen Bewertungsannahmen. Schätzungen reichen von deutlich über 180 Milliarden US-Dollar bis hin zu Szenarien jenseits der 300-Milliarden-Marke im Rahmen einer Vor-IPO-Finanzierung. Damit würde Anthropic zu den wertvollsten reinen KI-Unternehmen weltweit zählen.
Das 2021 gegründete US-Unternehmen wurde von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern aufgebaut, an der Spitze stehen Dario Amodei als CEO und Daniela Amodei als Präsidentin. Anders als viele Wettbewerber ist Anthropic als Public Benefit Corporation organisiert und verfolgt explizit das Ziel, KI-Systeme besonders sicher, kontrollierbar und transparent zu entwickeln. Dieser Ansatz prägt auch die Produktstrategie.
Mit der Claude-Modellfamilie positioniert sich Anthropic als direkter Herausforderer von ChatGPT. Besonders große Kontextfenster, starke Fähigkeiten im Programmieren und ein strenger Umgang mit sicherheitskritischen Anfragen gelten als zentrale Alleinstellungsmerkmale. Im Wettbewerbsumfeld trifft Anthropic auf Schwergewichte wie OpenAI, Google DeepMind oder xAI.
Stripe
Stripe gehört seit Jahren zu den meistdiskutierten IPO-Kandidaten im Fintech-Sektor und könnte 2026 erneut in den Fokus rücken. Ein Börsengang ist weiterhin nicht offiziell bestätigt, doch zahlreiche Marktbeobachter sehen Stripe in einer fortgeschrittenen Vorbereitungsphase.
Bewertungsschätzungen bewegen sich aktuell im Bereich von rund 100 Milliarden US-Dollar und damit deutlich über früheren Niveaus. Nach zwischenzeitlichen Abwertungen hat sich das Interesse zuletzt wieder spürbar belebt. Stripe profitiert dabei von seiner zentralen Rolle als Infrastruktur-Anbieter für den globalen Online-Zahlungsverkehr. Das Unternehmen verarbeitet jährlich Zahlungsvolumen in Billionenhöhe und ist tief in die Geschäftsmodelle von Startups, Plattformen und Großkonzernen integriert.
Strategisch positioniert sich Stripe zunehmend über klassische Zahlungsabwicklung hinaus. Wachstumstreiber sind unter anderem abonnementbasierte Geschäftsmodelle, internationale Expansion sowie erste Schritte in Richtung Stablecoins und digitale Finanzinfrastruktur. Genau diese Kombination macht Stripe für Anleger besonders interessant, aber auch schwer vergleichbar mit klassischen Fintech-IPOs.
Kraken
Kraken zählt zu den aussichtsreichsten Krypto-IPO-Kandidaten für 2026. Die traditionsreiche US-Börse, offiziell Payward Inc., bereitet sich laut Marktberichten auf einen möglichen Börsengang vor und hat zuletzt frisches Kapital zu Bewertungen zwischen rund 15 und 20 Milliarden US-Dollar aufgenommen. Je nach Marktumfeld kursieren sogar Szenarien, die bei einem IPO eine Bewertung von bis zu 25 Milliarden US-Dollar nicht ausschließen.
Besonders hervorzuheben ist Krakens Positionierung als regulierungsnahe und sicherheitsorientierte Krypto-Plattform. Als eine der ältesten Börsen der Branche hat das Unternehmen früh auf Proof-of-Reserves, hohe Compliance-Standards und institutionelle Services gesetzt. Neben dem klassischen Spot-Handel ist Kraken heute stark im Derivategeschäft, im institutionellen Brokerage sowie bei tokenisierten Vermögenswerten aktiv, ein Bereich, der im Zuge von Tokenisierung und Real-World-Assets zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Ein Börsengang an einer US-Börse wie der Nasdaq würde Kraken klar von vielen Wettbewerbern abgrenzen und könnte als Gradmesser für die nächste Phase der Krypto-Adoption dienen. Gleichzeitig bleibt das Timing sensibel. Die Bewertung dürfte stark vom Krypto-Zyklus abhängen, weshalb das Management betont, keinen Druck für einen schnellen IPO zu verspüren. Gelingt der Schritt dennoch, könnte Kraken zum bislang wichtigsten Krypto-Börsengang seit Coinbase werden.
Wer profitiert von diesen IPOs?
Gerade IPOs dieser Größenordnung entfalten oft eine Signalwirkung, die weit über das eigentliche Unternehmen hinausgeht. Kapitalzuflüsse, mediale Aufmerksamkeit und neue Bewertungsmaßstäbe sorgen dafür, dass ganze Branchen neu eingeordnet werden. Für viele Anleger sind deshalb nicht die IPO-Aktien selbst, sondern die indirekten Profiteure besonders interessant. Sie profitieren von steigender Nachfrage, höherer Investitionsbereitschaft oder einer Neubewertung ihres Geschäftsmodells, ohne dem typischen IPO-Risiko ausgesetzt zu sein.
Im Fall von 2026 zeigt sich ein klares Muster: KI, digitale Infrastruktur, Zahlungsabwicklung und Krypto-Ökosysteme stehen im Zentrum. Unternehmen, die als Zulieferer, Technologiepartner oder etablierte Marktführer in diesen Bereichen agieren, könnten überproportional profitieren, selbst wenn sie mit den IPO-Kandidaten nicht direkt verbunden sind.
| IPO | Profiteure (Kategorie) | Beispielprofiteure |
|---|---|---|
| SpaceX | Raumfahrt, Satelliten, Defense-Tech | Rocket Lab, Lockheed Martin, Northrop Grumman, AST SpaceMobile |
| OpenAI | KI-Infrastruktur, Chips, Cloud | Microsoft, Nvidia, Alphabet |
| Anthropic | KI-Modelle, Cloud-Compute, Enterprise-Software | Amazon Web Services, Google Cloud, spezialisierte AI-SaaS-Anbieter |
| Stripe | SaaS, E-Commerce, digitale Payments | Shopify, Adyen, Block |
| Kraken | Krypto-Infrastruktur, Mining, Tokenisierung | Coinbase, Bitcoin-Miner, Krypto-ETPs |



