Für Anleger rücken damit vor allem Aktien wie Chevron in den Mittelpunkt. Der US-Ölkonzern ist derzeit der einzige große amerikanische Energieproduzent mit aktiven Förderprojekten in Venezuela und gilt als möglicher Profiteur eines politischen Neuanfangs. Kurzfristig dürfte die Entwicklung jedoch von hoher Unsicherheit und erhöhter Volatilität geprägt sein, während sich langfristig Chancen durch eine Stabilisierung der Rahmenbedingungen ergeben könnten.
Chancen durch politischen Umbruch und Öl-Infrastruktur
Als einziger großer US-Ölkonzern mit aktiven Förderprojekten in Venezuela ist Chevron bereits heute zentral im Land positioniert. Aktuell fördert das Unternehmen schätzungsweise zwischen 150.000 und 250.000 Barrel pro Tag und trägt damit rund 17 bis 25 Prozent zur gesamten venezolanischen Ölproduktion bei. Ein möglicher Wegfall von Sanktionen nach dem Machtwechsel könnte Chevron erlauben, diese Produktion schrittweise auszuweiten. Das langfristige Potenzial ist erheblich, denn Venezuela verfügt mit rund 303 Milliarden Barrel über die größten bestätigten Ölreserven weltweit.
US-Präsident Donald Trump kündigte bereits an, dass amerikanische Unternehmen Milliardenbeträge investieren könnten, um die marode Öl-Infrastruktur des Landes zu modernisieren. Als etablierter Akteur vor Ort dürfte Chevron hiervon zuerst profitieren, während Wettbewerber wie Exxon Mobil oder ConocoPhillips zunächst abwarten müssten.
Dem gegenüber steht jedoch ein erhebliches operatives Risiko. Die Förderanlagen, Pipelines und Raffinerien gelten als stark beschädigt, sodass selbst bei politischer Öffnung jahrelange Investitionen notwendig wären, bevor eine spürbare Produktionsausweitung erreicht werden kann. Sollte das Land in eine Phase anhaltender Instabilität oder Fragmentierung geraten, vergleichbar mit Libyen nach dem Sturz Gaddafis, könnten Förderaktivitäten eingeschränkt oder temporär ausgesetzt werden.
Risiken durch Unsicherheit, Ölpreise und Rechtslage
Ein Regimewechsel unter starkem US-Einfluss könnte mittelfristig für mehr Planungssicherheit sorgen und ausländisches Kapital anziehen. Die von Trump angekündigte Übergangsphase, in der die USA eine stabilisierende Rolle übernehmen wollen, würde Chevron zusätzliche operative Sicherheit verschaffen. Gleichzeitig könnten weitere US-Unternehmen in den Markt drängen, auch wenn Chevron als First Mover einen strukturellen Vorteil behält.
Kurzfristig überwiegen jedoch die Unsicherheiten. Internationale Reaktionen, insbesondere von China und Russland, könnten zu geopolitischen Spannungen oder Gegenmaßnahmen führen. Auch die innenpolitische Lage bleibt fragil, da mit Delcy Rodríguez eine Interimsführung eingesetzt wurde, deren tatsächliche Handlungsfähigkeit noch unklar ist. Für Chevron ergeben sich daraus Risiken für Mitarbeiter, Anlagen und Lieferketten.
Hinzu kommen mögliche Markteffekte auf den Ölpreis. Eine perspektivisch steigende venezolanische Förderung könnte das globale Angebot erhöhen und Druck auf Preise wie Brent oder WTI ausüben, was die Margen großer Produzenten belasten würde. Zwar könnte Chevron von erweiterten Exportmöglichkeiten, insbesondere in Richtung US-Golfküste, profitieren, kurzfristig dominieren jedoch Volatilität und Unsicherheit.
Auch rechtlich bleibt die Lage komplex. Chevron operierte bislang auf Basis zeitlich begrenzter Ausnahmelizenzen und Joint Ventures mit PDVSA. Ein abrupter politischer Neuanfang könnte bestehende Verträge infrage stellen oder Neuverhandlungen erzwingen. In einem instabilen Umfeld drohen hohe Investitionskosten bei gleichzeitig unklarer Renditeperspektive.
Welche Aktien können von der US-Intervention in Venezuela profitieren?
Die Gefangennahme von Nicolás Maduro am 3. Januar 2026 sowie die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, dass amerikanische Unternehmen Milliarden in die venezolanische Öl-Infrastruktur investieren sollen, haben den Energiesektor schlagartig in den Fokus der Märkte gerückt. Folgende Aktien könnten von der US-Intervention in Venezuela profitieren:
| Aktie (Ticker) | Warum sie profitieren könnte | Potenzielle Risiken |
|---|---|---|
| Chevron (CVX) | Als einziger großer US-Ölkonzern mit aktiven Joint Ventures in Venezuela fördert Chevron bereits 150.000–250.000 Barrel pro Tag. Eine Aufhebung von Sanktionen und neue Investitionen könnten eine schnelle Produktionsausweitung ermöglichen. Als etablierter Akteur hätte Chevron einen klaren First-Mover-Vorteil. | Kurzfristige politische Instabilität könnte den Betrieb stören. Langfristig könnten steigende Fördermengen den Ölpreis drücken und Margen belasten. |
| Exxon Mobil (XOM) | Exxon besitzt historische Forderungen aus Enteignungen unter Hugo Chávez. Ein Regimewechsel könnte eine Rückkehr erleichtern und neue Heavy-Oil-Projekte ermöglichen, die gut zu US-Raffinerien passen. | Später Markteintritt als Chevron, regulatorische Hürden und politische Verzögerungen möglich. |
| ConocoPhillips (COP) | ConocoPhillips hält hohe Schadensersatzforderungen aus früheren Enteignungen. Eine neue Regierung könnte Schuldenrückzahlungen und eine operative Rückkehr ermöglichen, was COP zu einem der größten „Debt-Recovery“-Gewinner machen würde. | Starke Abhängigkeit von rechtlichen Verfahren. Politisches Chaos könnte Zahlungen verzögern oder verhindern. |
| Halliburton (HAL) | Als führender Öl-Dienstleister könnte Halliburton vom Wiederaufbau der maroden Förder-Infrastruktur profitieren. Teile der Ausrüstung sind bereits im Land vorhanden, was schnelle Vertragsabschlüsse begünstigt. | Projekte stark abhängig von Sicherheit und Stabilität. Bei Eskalationen drohen Auftragsausfälle. |
| SLB (SLB) | SLB verfügt über technologische Expertise für Heavy Crude und komplexe Förderbedingungen. Das Unternehmen könnte bei der Rehabilitierung alter Felder eine Schlüsselrolle spielen. | Intensiver Wettbewerb mit anderen Dienstleistern, zudem Abhängigkeit vom globalen Ölpreisniveau. |
| Valero Energy (VLO) / Phillips 66 (PSX) | US-Raffinerien an der Golfküste sind auf venezolanisches Schweröl ausgelegt. Günstigere Importe könnten die Feedstock-Kosten senken und Margen verbessern. | Indirekte Profiteure, abhängig von stabilen Lieferketten und nicht von Fördermengen allein. |
| Baker Hughes (BKR) / Weatherford (WFRD) | Weitere Dienstleister mit Potenzial, von Infrastruktur- und Wartungsinvestitionen zu profitieren, insbesondere bei Bohr- und Serviceleistungen. | Höhere Volatilität, geringere Planungssicherheit und starke Abhängigkeit vom Investitionstempo. |



