Jahresendrally

Die Jahresendrally (auch Santa-Claus-Rally oder Weihnachtsrally) bezeichnet eine statistisch häufig beobachtete Kurssteigerung an den Aktienmärkten in den letzten Handelstagen eines Jahres.
santa claus rally

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Sie findet klassisch in den letzten fünf Börsentagen des alten Jahres sowie in den ersten beiden Handelstagen des neuen Jahres statt. Der Begriff beschreibt kein garantiertes Phänomen, sondern eine saisonale Tendenz, die vor allem an US-Aktienmärkten wie dem S&P 500 beobachtet wurde.

Was ist eine Jahresendrally?

Eine Jahresendrally, häufig auch als Santa-Claus-Rally bezeichnet, beschreibt eine Phase, in der Aktienkurse zum Ende eines Kalenderjahres überdurchschnittlich häufig steigen. Gemeint ist damit keine einzelne Kursbewegung, sondern ein statistisches Muster, das sich in vielen Jahren rund um den Jahreswechsel beobachten ließ. Wichtig ist dabei, dass es sich um eine Tendenz und nicht um eine feste Regel oder Garantie für steigende Kurse handelt.

Der Begriff stammt aus der Börsenstatistik und wurde geprägt, weil sich diese Kursstärke vor allem in der Weihnachtszeit zeigt. Typischerweise wird die Jahresendrally auf einen klar definierten Zeitraum begrenzt, der die letzten Handelstage des alten Jahres und die ersten Handelstage des neuen Jahres umfasst. In dieser Phase sind Anleger häufig optimistischer, was sich in einer höheren Kaufbereitschaft widerspiegeln kann.

Was bedeutet eine Rally an der Börse?

Eine Rally an der Börse bezeichnet eine Phase, in der die Kurse von Aktien oder ganzen Märkten innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums deutlich steigen. Dabei geht es nicht um einzelne zufällige Kursgewinne, sondern um eine breitere Aufwärtsbewegung, die von vielen Marktteilnehmern getragen wird. Häufig entsteht eine Rally durch steigenden Optimismus, positive Erwartungen oder neue Informationen, die Anleger zum Kaufen bewegen.

Rallys können unterschiedlich lang andauern und treten sowohl in Bullenmärkten als auch innerhalb von Abwärtstrends als kurzfristige Erholungen auf. Entscheidend ist, dass eine Rally keine Aussage darüber trifft, wie nachhaltig die Kursgewinne sind. Deshalb wird der Begriff eher beschreibend verwendet und nicht als Garantie für eine langfristig positive Marktentwicklung verstanden.

Wann findet die Jahresendrally statt?

Die Jahresendrally findet klassisch zum Jahreswechsel an den Aktienmärkten statt. In der Börsenstatistik ist sie klar definiert als der Zeitraum der letzten fünf Handelstage eines Kalenderjahres sowie der ersten zwei Handelstage des neuen Jahres. Diese zeitliche Abgrenzung wird international verwendet und bildet die Grundlage für die meisten historischen Auswertungen.

Der Fokus auf genau diesen Zeitraum hat einen praktischen Grund, da hier wiederkehrende Effekte wie geringere Handelsvolumina, institutionelle Umschichtungen und ein insgesamt positiverer Marktausblick zusammentreffen. Wichtig ist, dass sich die Jahresendrally nicht über den gesamten Dezember erstreckt. Kursgewinne zu Beginn oder in der Mitte des Monats zählen daher streng genommen nicht zur klassischen Santa-Claus-Rally.

Warum kommt es zur Jahresendrally?

Die Jahresendrally nicht durch einen einzelnen Auslöser, sondern durch das Zusammenspiel aus institutionellem Verhalten, Marktstruktur und Psychologie.

1. Window Dressing durch institutionelle Anleger

Zum Jahresende passen Fondsmanager ihre Portfolios an, um diese in Berichten attraktiver darzustellen. Gewinneraktien werden häufiger gehalten oder aufgestockt, während schwache Positionen verkauft werden, was zusätzlichen Kaufdruck auf bereits starke Titel erzeugen kann.

2. Steuerliche Effekte und Rebalancing

Viele Anleger realisieren vor dem Jahreswechsel gezielt Verluste, um Steuern zu optimieren, und investieren anschließend neu. Dieses Umschichten kann dazu führen, dass Kapital zum Jahresende wieder verstärkt in den Markt zurückfließt.

3. Geringeres Handelsvolumen

In der Weihnachtszeit sind viele Marktteilnehmer im Urlaub, wodurch das Handelsvolumen sinkt. In solchen Phasen können bereits kleinere Kaufaufträge stärkere Kursbewegungen auslösen als in liquiditätsstarken Marktphasen.

4. Positive Marktpsychologie und Jahreswechsel-Optimismus

Zum Jahresende dominiert häufig eine optimistischere Grundstimmung, da Anleger auf ein neues Börsenjahr blicken. Erwartete Wirtschaftsdaten, neue Prognosen und frische Investmentthesen erhöhen die Bereitschaft, Risiken einzugehen.

5. Kapitalzuflüsse zu Beginn des neuen Jahres

Viele Sparpläne, Bonuszahlungen und neue Anlagebudgets werden zum Jahreswechsel aktiviert. Diese zusätzlichen Mittel treffen zeitlich oft mit der Jahresendrally zusammen und können die Kursbewegung verstärken.

Wie zuverlässig ist die Jahresendrally? – Mythos oder statistisch belegbar?

Die Jahresendrally gilt nicht nur als Anekdote aus dem Börsenjargon, sondern lässt sich über Jahrzehnte statistisch beobachten. Hier sind ein paar relevante Fakten:

  • In etwa 79 % der Fälle stieg der S&P 500 während der klassischen Santa-Claus-Rally-Periode (letzte 5 Handelstage im Dezember + erste 2 im Januar) historisch gesehen.
  • Über diese Zeitspanne erzielte der S&P 500 im Durchschnitt ca. +1,3 % Rendite in diesem sieben Handelstage-Fenster.
  • Seit 1950 haben die meisten Studien gezeigt, dass diese saisonale Rally-Phase häufiger positiv verläuft als andere kurze Zeitfenster im Jahr.

Jahresendrally auch bei Kryptowährungen?

Bei Aktien ist die Jahresendrally als klar definiertes 7-Handelstage-Fenster gut dokumentiert, bei Kryptowährungen ist das Bild gemischter, weil Krypto 24/7 handelt und starke Zyklen den „Kalender-Effekt“ schnell überlagern können. Trotzdem gibt es Auswertungen, die zeigen, dass rund um Weihnachten und den Jahreswechsel im Kryptomarkt häufig Kursanstiege vorkommen, allerdings weniger stabil als viele Anleger erwarten. Besonders hilfreich ist hier der Blick auf den gesamten Kryptomarkt sowie Bitcoin, weil Einzeltoken stark verzerren können. Eine wissenschaftliche Einordnung zeigt zudem, dass klassische Monatseffekte im Bitcoin-Markt nicht zuverlässig auftreten und ein “fixer Januar-Boost” statistisch eher nicht belegt ist. Eine Auswertung von coingecko zeigt folgende Daten für Kryptowährungen während der Santa Rally:

  • Krypto-Gesamtmarkt (Total Crypto Market Cap): In den Jahren 2014 bis 2023 trat eine “Santa-Claus-Rally” nach Weihnachten in 8 von 10 Jahren auf, gemessen als Zeitraum 27. Dezember bis 2. Januar, mit Anstiegen zwischen +0,69 % und +11,87 %.
  • Vor Weihnachten: Im selben Datensatz kam es 5 von 10 Jahren zu einer Rally in der Woche vor Weihnachten, mit Bewegungen zwischen +0,15 % und +11,56 %, in schwachen Jahren gab es auch Rückgänge.
  • Bitcoin speziell: Bitcoin zeigte eine Rally 7 von 10 Jahren in der Woche vor Weihnachten und 5 von 10 Jahren im Zeitraum nach Weihnachten, die Spannen lagen bei +0,20 % bis +13,19 % (vor Weihnachten) sowie +0,33 % bis +10,86 % (nach Weihnachten).
  • Wer Bitcoin nur auf dieses „Santa-Fenster“ gehandelt hätte, hätte laut derselben Analyse im Mittel nur etwa +1,32 % (vor Weihnachten) und +1,29 % (nach Weihnachten) erzielt. Über den gesamten Dezember lag der durchschnittliche Return in der Betrachtung dagegen bei +9,48 %, also deutlich höher, was zeigt, wie stark einzelne Tage und Trendphasen den Monat prägen.
  • Beispiel für Ausreißer: 2017 fiel Bitcoin in der Woche vor Weihnachten um −21,30 %, also genau entgegen der Erwartung einer “Weihnachtsrally”.

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