Er begründet die Maßnahme mit den „räuberischen“ Zinssätzen von häufig 20–30 %, die Millionen Amerikaner belasten.
Welche Aktien könnten unter Druck geraten?
Die Ankündigung von Präsident Trump hat vor allem Unternehmen im Visier, die stark von Zinseinnahmen aus revolvierenden Kreditkartensalden abhängen.
Stark betroffene Kreditkartenherausgeber (Issuer)
Diese Unternehmen verdienen einen erheblichen Teil ihrer Einnahmen durch Zinsen auf offene Salden und wären bei einer 10%-Deckelung direkt und spürbar getroffen:
- American Express (AXP): Als einer der größten eigenständigen Kartenherausgeber ist ein hoher Anteil der Gewinne zinsbasiert.
- Capital One (COF): Stark auf das Kreditkartengeschäft spezialisiert, mit hohem Revolving-Credit-Anteil.
- Synchrony Financial (SYF): Fokussiert auf Store-Cards und Privatlabel-Karten mit oft besonders hohen Zinssätzen.
- Discover Financial Services (DFS): Reiner Kreditkartenanbieter mit starker Abhängigkeit von Zinseinnahmen.
Weniger oder kaum betroffene Unternehmen
- Visa (V) und Mastercard (MA): Die beiden dominierenden Zahlungsnetzwerke verdienen primär durch Transaktionsgebühren (Swipe Fees), nicht durch Zinsen auf offene Salden. Diese fließen stattdessen an die Kartenherausgeber. Eine Zinsdeckelung hätte daher nur marginale indirekte Effekte, etwa durch ein mögliches geringeres Transaktionsvolumen bei reduzierter Kreditvergabe. Fundamental bleiben beide Aktien weitgehend unberührt.
- Große Universalbanken wie JPMorgan Chase (JPM), Bank of America (BAC) oder Citigroup (C): Sie bieten zwar Kreditkarten an, doch das Segment macht nur einen kleineren Teil ihres diversifizierten Geschäfts aus. Negative Auswirkungen wären daher überschaubar.
Marktstimmung und Retail-Investoren
Viele Privatanleger verwechseln die Rollen von Netzwerken (Visa, Mastercard) und Herausgebern (Issuer) und assoziieren „Kreditkarte“ automatisch mit den bekannteren Marken V und MA. In Social-Media-Diskussionen und Reddit-Threads kursieren bereits Spekulationen über einen „Crash“ dieser Aktien. Erfahrene Investoren sehen hier hingegen eher kurzfristige Panikverkäufe und potenzielle Kaufgelegenheiten, sobald die Unterschiede klarer werden. Die tatsächliche Belastung dürfte sich wahrscheinlich auf die reinen Issuer konzentrieren.
Warum deckelt Trump die Kreditkartenzinsen?
In seinem Truth-Social-Post vom 9. Januar 2026 bezeichnet Präsident Donald Trump Kreditkartenzinsen von „20 to 30% and even more“ als „Rip-off“ und betont „AFFORDABILITY!“ als wichtiges Anliegen, also eine klare Ansage an Haushalte, die unter hohen Schuldenlasten leiden.
Der wirtschaftliche Hintergrund verstärkt diese Kritik: Kreditkartenzinsen sind variabel und orientieren sich an der Prime Rate (Federal Funds Rate plus etwa 3 Prozentpunkte). Bei Leitzinserhöhungen der Fed passen Kartenherausgeber die Sätze schnell und vollständig an. Bei Senkungen jedoch reagieren sie zögerlich, um erweiterte Margen zu halten. Dieses Phänomen der „klebrigen“ Zinsen nach unten hat den Spread zwischen den Funding-Kosten der Banken und den Verbraucherzinsen auf ein Allzeithoch von 14–16 Prozentpunkten getrieben.
Seit Ende 2024 hat die Fed die Leitzinsen mehrfach gesenkt. Von über 5 % auf zuletzt rund 3,8 % (Stand Dezember 2025). Die folgende Grafik zeigt diesen Rückgang:
Quelle: https://fred.stlouisfed.org/series/FEDFUNDS
Trotz dieser Senkungen profitierten Verbraucher kaum: Der durchschnittliche Kreditkarten-Zinssatz (APR) erreichte 2024 ein Rekordhoch von rund 20,8 % und ist bis Anfang 2026 nur leicht auf etwa 19,7 % gesunken.
Quelle: https://fred.stlouisfed.org/series/TERMCBCCALLNS
Trumps Affordability-Agenda vor den Midterm-Wahlen
Die Forderung nach einer Zinsdeckelung für Kreditkarten ist kein isolierter Vorschlag, sondern Teil von Initiativen in Trumps zweiter Amtszeit, die sich gezielt auf die finanzielle Belastung normaler Amerikaner, insbesondere junger Menschen und Familien, konzentrieren.
Nur zwei Tage zuvor, am 7. Januar 2026, kündigte Trump auf Truth Social an, große institutionelle Investoren wie BlackRock oder Private-Equity-Firmen vom weiteren Kauf von Einfamilienhäusern (single-family homes) auszuschließen. „People live in homes, not corporations“, schrieb er und forderte den Kongress auf, dies gesetzlich zu verankern.
Ziel ist eine Verbesserung der Housing Affordability: Institutionelle Investoren halten zwar nur etwa 3–4 % des Marktes, treiben jedoch in manchen Regionen Preise hoch und verringern das Angebot für private Käufer. Experten bezweifeln, dass ein solcher Bann die Preise spürbar senken würde, erkennen aber, ähnlich wie bei der Zinsdeckelung, hohen politischen Symbolwert.
Beide Themen adressieren denselben Wählerfrust: Trotz sinkender Fed-Leitzinsen bleiben Verbraucherzinsen hoch und der Traum vom Eigenheim rückt für viele Jüngere in weite Ferne. Trump positioniert sich damit konsequent als Verteidiger der Working Class gegen Wall Street und Großkonzerne. Ob die Vorschläge tatsächlich umgesetzt werden, hängt vom Kongress und regulatorischen Hürden ab.
Was passiert Montag an den Börsen?
Am Montag, dem 12. Januar 2026, ist ein kurzfristiger Abverkauf bei den stark betroffenen Kreditkartenherausgebern wahrscheinlich, vorwiegend in den ersten Handelsstunden, sofern über das Wochenende keine neuen Klarstellungen oder Rückzieher von Trump kommen. Ein moderater Rückgang von 2–5 % bei Titeln wie American Express (AXP), Capital One (COF), Synchrony Financial (SYF) und Discover (DFS) erscheint plausibel.
Gründe für den erwarteten Druck
- Weekend-News-Cycle: Medien werden die Ankündigung intensiv aufgreifen, was Retail-Investoren und algorithmische Trading-Systeme zu impulsiven Verkäufen animieren könnte.
- Sentiment-Effekt: Viele Privatanleger reagieren emotional auf die drohende Einschränkung profitabler Zinseinnahmen und verkaufen zunächst „aus dem Bauch heraus“, oft ohne die Unterschiede zwischen Issuern und Netzwerken zu berücksichtigen.
Mögliche schnelle Erholung
Der Dip dürfte jedoch schnell aufgekauft werden und sich möglicherweise schon im Laufe des Montags oder bis Mitte der Woche wieder erholen. Bei ausbleibender konkreter Gesetzesinitiative könnten die Kurse sogar neue Hochs erreichen. Dies könnte einem bereits etablierten Muster in Trumps zweiter Amtszeit folgen, dem sogenannten „TACO Trade“ (Trump Always Chickens Out), einem Meme aus 2025. Harte populistische Ankündigungen lösen zunächst Panik aus, Investoren kaufen den Dip und oft mildert Trump ab, rudert zurück oder es passiert nichts Konkretes, woraufhin die Kurse höher steigen als zuvor. Ähnliches zeigte sich 2025 mehrfach bei Zoll-Drohungen gegen China, Japan oder Europa.
Der beschriebene Marktverlauf stellt eine Einordnung möglicher kurzfristiger Reaktionen dar und basiert auf historischen Mustern sowie aktueller Marktstimmung, nicht auf einer verbindlichen Vorhersage oder Anlageempfehlung.



