Im Gegensatz zu ETFs sind ETCs rechtlich meist Schuldverschreibungen, die entweder physisch durch den Rohstoff besichert oder synthetisch über Derivate nachgebildet werden. Sie ermöglichen Anlegern einen einfachen, liquiden Zugang zu Rohstoffen wie Gold, Öl oder Industriemetallen über die Börse.
Was sind ETCs? Einfach erklärt
ETCs sind börsengehandelte Wertpapiere, mit denen Anleger direkt und einfach in Rohstoffe wie Gold, Öl oder Silber investieren können, ohne den Rohstoff selbst zu besitzen.
Im Kern funktionieren Exchange Traded Commodities ähnlich wie ETFs, da sie während der Börsenzeiten jederzeit handelbar sind und sich ihr Preis eng an der Entwicklung des zugrunde liegenden Rohstoffs orientiert. Kauft ein Anleger einen ETC, erwirbt er jedoch kein Fondsanteil, sondern eine Schuldverschreibung des Emittenten, die verspricht, die Wertentwicklung des Rohstoffs abzubilden.
Der große Vorteil von ETCs liegt im einfachen Zugang zu Rohstoffmärkten. Rohstoffe lassen sich privat kaum praktikabel handeln, denn niemand möchte Öl lagern oder Industriemetalle transportieren. ETCs lösen dieses Problem, indem sie die Preisentwicklung an der Börse handelbar machen, ähnlich wie eine Aktie.
Je nach Ausgestaltung wird der ETC entweder physisch durch den Rohstoff besichert, etwa bei Gold, das tatsächlich in Tresoren lagert, oder synthetisch über Finanzverträge wie Swaps nachgebildet. Für Anleger ist entscheidend, dass sich der Wert des ETC nahezu eins zu eins mit dem Rohstoffpreis bewegt, abzüglich laufender Kosten.
ETCs werden häufig genutzt, um ein Depot breiter aufzustellen, Inflation abzusichern oder gezielt auf steigende Rohstoffpreise zu setzen. Gerade für Einsteiger ist wichtig zu verstehen, dass ETCs kein klassisches Investment in Unternehmen sind, sondern eine direkte Wette auf den Preis eines Rohstoffs.
Unterschied zwischen ETC und ETF
Ein ETF bildet Aktien, Anleihen oder ganze Indizes ab und gilt rechtlich als Sondervermögen. Das bedeutet, dass das Fondsvermögen strikt vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt ist und selbst im Insolvenzfall geschützt bleibt. Ein ETC dagegen ist kein Sondervermögen, sondern ein Wertpapier, bei dem der Anleger dem Emittenten Geld leiht und im Gegenzug die Wertentwicklung eines Rohstoffs erhält.
Dieser Unterschied ist der Hauptgrund, warum Rohstoffe in Europa meist über ETCs und nicht über ETFs abgebildet werden. Einzelne Rohstoffe gelten regulatorisch nicht als fondsfähige Anlageklasse. Deshalb existieren klassische ETFs auf Gold, Öl oder Silber in der EU praktisch nicht, obwohl sie umgangssprachlich oft so bezeichnet werden.
Das Risiko bei ETCs hängt stark von der Art der Besicherung ab. Physisch hinterlegte oder vollständig besicherte ETCs reduzieren das Emittentenrisiko erheblich, während unbesicherte oder nur teilweise besicherte Konstruktionen ein zusätzliches Ausfallrisiko beinhalten können. Für Anleger ist daher nicht nur der Name des Produkts entscheidend, sondern die genaue Struktur im Verkaufsprospekt.
Vergleich ETC vs. ETF
| Merkmal | ETC (Exchange Traded Commodity) | ETF (Exchange Traded Fund) |
|---|---|---|
| Rechtliche Struktur | Schuldverschreibung | Investmentfonds |
| Sondervermögen | Nein | Ja |
| Emittentenrisiko | Ja, abhängig von der Besicherung | Nein |
| Typische Anlageklasse | Rohstoffe, Edelmetalle | Aktien, Anleihen, Indizes |
| Physische Hinterlegung möglich | Ja, häufig bei Edelmetallen | Ja, je nach Fonds |
| Regulatorischer Status | Kein Fonds | Reguliertes Fondsprodukt |
| Insolvenzschutz | Nur bei ausreichender Besicherung | Vollständig gegeben |
| Typischer Einsatzzweck | Rohstoffinvestments, Inflation | Langfristiger Vermögensaufbau |
Physisch hinterlegte ETCs
Physisch hinterlegte ETCs sind Exchange Traded Commodities, bei denen der zugrunde liegende Rohstoff tatsächlich gekauft und als Sicherheit hinterlegt wird. Bei Edelmetallen wie Gold oder Silber bedeutet das, dass echte Barren in Tresoren gelagert werden und den Wert des ETC absichern.
Der Preis eines physisch hinterlegten ETCs folgt in der Regel sehr exakt dem aktuellen Marktpreis des Rohstoffs, da keine komplexen Derivate oder Rollverluste aus Futures entstehen. Für Anleger ist zudem wichtig, dass das Emittentenrisiko deutlich reduziert ist, weil der Rohstoff als Sicherheit dient und nicht nur ein Zahlungsversprechen besteht.
Viele dieser ETCs räumen dem Anleger theoretisch sogar einen Anspruch auf physische Auslieferung ein, auch wenn dies in der Praxis selten genutzt wird. Physisch hinterlegte ETCs gelten daher als besonders transparente und verständliche Form, um an der Wertentwicklung von Edelmetallen teilzunehmen, ohne diese selbst lagern oder versichern zu müssen.
Vollständig besicherte ETCs (swap-basiert)
Vollständig besicherte, swap-basierte ETCs bilden die Wertentwicklung eines Rohstoffs nicht durch physische Lagerung ab, sondern über Tauschgeschäfte mit einer Bank, sogenannte Swaps. Der Emittent schließt dabei einen Vertrag ab, der garantiert, dass die Rendite des ETCs der Preisentwicklung des jeweiligen Rohstoffs entspricht.
Um das Emittentenrisiko zu begrenzen, werden Sicherheiten in Form von hochwertigen Wertpapieren hinterlegt, meist Staatsanleihen oder Geldmarktinstrumente. Diese Sicherheiten haben in der Regel einen Wert von mindestens 100 Prozent des investierten Kapitals und werden täglich angepasst, um Schwankungen auszugleichen.
Für Anleger sind swap-basierte ETCs vor allem bei Rohstoffen relevant, die sich nicht sinnvoll physisch lagern lassen, etwa Öl, Erdgas oder Agrarrohstoffe. Sie ermöglichen einen effizienten Marktzugang, bergen jedoch zusätzlich zum Marktrisiko ein strukturelles Risiko, da die Wertentwicklung von der Stabilität der Vertragspartner abhängt.
Sind ETCs in Deutschland steuerfrei?
In Deutschland sind Gewinne aus physisch gedeckten ETCs auf Gold und Silber nach einer Haltefrist von mehr als einem Jahr steuerfrei (§ 23 EStG, als privates Veräußerungsgeschäft). Dies gilt nur, wenn der ETC vollständig physisch hinterlegt ist und ein echter Anspruch auf physische Auslieferung des Edelmetalls besteht.
Nicht alle physisch gedeckten ETCs erfüllen diese Kriterien; viele (z. B. Invesco Physical Gold oder iShares Physical Gold) haben keinen Auslieferungsanspruch und unterliegen der Abgeltungsteuer.
Es gibt aktuell etwa 6 steuerfreie Gold-ETCs (Stand 2025/2026):
- Xetra-Gold (WKN: A0S9GB)
- EUWAX Gold II (WKN: EWG2LD)
- The Royal Mint Physical Gold (WKN: A279KU).
- WisdomTree Physical Swiss Gold (WKN: A1DCTL)
- Gold Bullion Securities (WKN: A0LP78)
- WisdomTree Core Physical Gold (WKN: A3GNQ1)
Voraussetzungen für steuerfreie ETCs
Damit ein ETC steuerfrei behandelt wird, müssen kumulativ folgende Kriterien erfüllt sein:
- Vollständige physische Hinterlegung
Der ETC muss zu 100 % mit physischem Edelmetall (Gold oder Silber) gedeckt sein. Synthetische ETCs, die den Preis nur nachbilden (z. B. über Derivate oder Futures), qualifizieren sich nicht. Ebenso wenig Produkte mit nur teilweiser Deckung oder Barausgleichsoptionen. - Schuldrechtlicher Anspruch auf physische Auslieferung
Der Anleger muss einen echten, einklagbaren Anspruch auf Lieferung des physischen Metalls haben. Ein bloßer Barausgleich bei Verkauf reicht nicht aus. Viele ETCs bieten dies nicht, sondern nur einen Geldanspruch gegen den Emittenten. - Haltefrist von mehr als einem Jahr
Die Steuerfreiheit greift nur, wenn der ETC länger als 12 Monate gehalten wird. Bei kürzerer Frist gilt die Spekulationssteuer (bis 600 € Freigrenze pro Jahr für private Veräußerungsgeschäfte). - Privatanleger-Status
Die Regelung gilt nur für private Veräußerungsgeschäfte. Gewerbliche Anleger oder Depotführung in einem Betriebsvermögen unterliegen anderen Regeln. - Keine Hedging- oder Währungsabsicherung
EUR-gehedgte Varianten (die Währungsrisiken absichern) erfüllen oft nicht die Kriterien, da sie zusätzliche Derivate enthalten und den reinen Sachwertcharakter verlieren.
Rechtliche Grundlage
Die Steuerfreiheit basiert auf § 23 Einkommensteuergesetz (EStG), der private Veräußerungsgeschäfte regelt. Danach sind Gewinne aus dem Verkauf von Wirtschaftsgütern, wie physischem Gold oder Silber, steuerfrei, wenn zwischen Anschaffung und Veräußerung mehr als ein Jahr liegt. Diese Regelung gilt analog für bestimmte ETCs, die steuerlich wie der direkte Besitz des Edelmetalls behandelt werden.
Hinweis: Ob ein ETC steuerlich begünstigt ist, ergibt sich ausschließlich aus dem jeweiligen Emissionsprospekt und der konkreten Ausgestaltung des Produkts, maßgeblich sind die Angaben des Emittenten.



